Startseite | Reihen und Herausgeber | Dissertation veröffentlichen | Autorenbereich | Presse | Über den Verlag | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum   
Philosophie Politikwissenschaft Geschichte Recht Religionswissenschaft Pädagogik/Soziologie Orientalistik Literaturwissenschaft Kunst/Altertumswissenschaft Informationswissenschaft Zeitschriften Varia Ebooks
Monografien Bibliotheca Academica Demetrias Nachrichten aus dem Martin von Wagner Museum Sport, Kultur und Gesellschaft Studien zur Geschichte Nordwest-Griechenlands Wahrnehmungen und Spuren Altägyptens Würzburger Forschungen zur Altertumskunde

Band 2

Temme, Maik
Die deutsche Turnbewegung in Chile 1852-1945
Zwischen Identitätswahrung und Assimilation

2000. 424 Seiten – 155 x 225 mm. Kartoniert
ISBN 978-3-933563-43-9

 

54,00 EUR

Produkt-ID: 978-3-933563-43-9  

incl. 7% USt.

Lieferbar in 3-5 Werktagen  
 
Anzahl:   St


Von den im 19. Jahrhundert nach Chile ausgewanderten Deutschen wurde in den dortigen Siedlungszentren ein blühendes Vereinswesen ins Leben gerufen. Zu den herausragenden Vereinen gehörten zweifellos die Turnvereine. In ihnen hatte sich die Elite der deutschen Auswanderer zusammengefunden, so daß von hier aus die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Geschicke der deutschen Bevölkerungsgruppe in Chile bestimmt wurden. Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei Teile, in denen die Rolle der deutschen Turner während der Wilhelminischen Zeit, der Weimarer Republik und der Zeit des Nationalsozialismus untersucht wird. In der Wilhelminischen Zeit begann die deutsche Expansion nach Chile sowohl im Kapital- als auch im Warenexport. Insofern wird in diesem Kapitel erörtert, inwieweit mit Hilfe der auslandsdeutschen Turner diese Handelsoffensive gefördert wurde. Welche Funktionen hatten die Turner bei Eroberung des chilenischen Marktes? Dienten die Turnvereine als Keimzellen deutscher Großmachtpolitik in Chile? Wie verhielten sich die Turner während des Ersten Weltkrieges? Die Kriegsniederlage und der Versailler Vertrag setzten der wilhelminischen Weltpolitik ein vorläufiges Ende. Von der Regierung in Weimar vergessen, übernahmen die Turner in Chile die Führung und schweißten die deutsche Kolonie durch zielgerichtete Aktionen fest zusammen. Dieses Handeln erregte die Aufmerksamkeit der von Deutschland aus operierenden Interessenverbände, deren Ziel es war, Chile als einen wichtigen Handelspartner zurückzugewinnen. Im Mittelpunkt steht demzufolge die Beantwortung der Fragen, welchen Beitrag die Turner beim Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft in Chile leisteten? Wie verhielten sie sich gegenüber der Weimarer Republik und ihren Vertretern? Führte die Chilepolitik der Weimarer Regierung zu einer verstärkten Integration der Turner in das chilenische Gesellschaftssytem? Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland breiteten sich diese auch in Formen von geschlossenen Organisationen in Chile aus. Bei der Suche nach geeigneten Multiplikatoren für die nationalsozialistische Weltanschauung richtete sich das Interesse besonders auf die deutschen Turner, da diese während der Weimarer Zeit konstant Solidarität zur politischen Rechten demonstriert hatten. Wie, warum und mit welchen Mitteln gelang es den Nationalsozialisten die deutschen Turnvereine in Chile zu unterwandern? Gab es Widerstand in den einzelnen Turnvereinen gegen die zunehmende Instrumentalisierung? Welche Haltung nahmen die Turner während des Zweiten Weltkrieges ein? Die zentrale Frage dieser Untersuchung ist, ob die politische Beanspruchung der Turner einerseits und das Leben in einem ibero-chilenischen Kulturkreis andererseits immer wieder zu Konflikten führte, so daß der Widerspruch zwischen Identitätswahrung und Assimilation letztlich für den Niedergang der deutschen Turnbewegung verantwortlich war? Dieses Buch versucht, eine Antwort zu geben. Es ist ein Fallbeispiel für die enge Korrelation der Komponenten Sport, Politik und Wirtschaft.